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“Scheibenschlogen” in Trafoi

18.02.2013 00:00
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Das sogenannte Scheibenschlagen, (im Dialekt “Scheibenschlogen“) verkörpert einen sehr alten Mitteleuropäischen Brauchtum, der erstmals im Jahre 1090 ausgeübt wurde!
Großen Enthusiasmus sowie Wertschätzung findet die Tradition heutzutage hauptsächlich noch im schwäbisch-alemannischen Raum, im Südtiroler Vinschgau, in Vorarlberg sowie in Teilen Tirols rund um Landeck. Trafoi ist seit jeher eines der vielen Vinschgauer Dörfer, wo der Brauchtum regelmäßig ausgeübt wird, und für die Einheimischen große Bedeutung hat! Der Termin fällt immer auf den ersten Fastensamstag oder Fastensonntag zur Osterzeit (dieses Jahr war es bei uns der 17.02.2012). In Trafoi ist die “Scheibenschlog-Knott” der zentrale Ausübungsort. Hauptsächlich findet vor allem die männliche Bevölkerung Gefallen an diesem Brauchtum, und somit sehnen sich sowohl jüngere als auch ältere Männer den Tag des “Scheibenschlogens” Wochen zuvor herbei, und kümmern sich engagiert um die Vorbereitungen. Gekonnt werden die geeigneten Hölzer, im Vinschgau hauptsächlich Fichte, Zirbe oder Lärche gesucht, aus denen dann je nach persönlichen Vorzügen runde oder quadratische Holzscheibenmit einem Durchmesser von ca. 10-15 cm und einer Dicke von ca. 2 cm gefertigt werden. Jede Scheibe hat in der Mitte ein Loch, das zum einen für den Transport, und zum anderen für den späteren Abschlag von Nöten ist.

Mit Beginn der Abenddämmerung brechen die Trafoier Männer zur “Knott” auf und entzünden dort traditionsgemäß die “Hex”. Die “Hex” wird in Form eines Kreuzes dargestellt und ist mit Stroh umwickelt, was das Abbrennen beschleunigen soll. Nun werden die zuvor mühevoll gefertigten Scheiben zum Glühen gebracht, und mit einem Stock (die Rute) von einer Kante aus in die Dunkelheit geschleudert. Fliegen mehrere Scheiben zugleich, sieht es einem kleinen Feuerwerk ähnlich. Jede Scheibe wird durch einen Spruch begleitet, und ist meist einer bestimmten Person, Einrichtung, Objekt oder Sonstigem gewidmet. Die Sprüche wurden zwar von Generation zu Generation weitergegeben, der Fantasie wird hier jedoch keine Grenzen gesetzt, und so erfinden sich immer wieder neue Reime und Sprüche.

Einer der bekanntesten in Trafoi ist z.B.: “Oh Reim Reim Scheibenschlogen, weim weart epper dia Scheib kearn? Dia Scheib und mei Kniascheib soll in Madatsch kearn” (übersetzt: Oh Reim Reim Scheibenschlagen, wem soll denn diese Scheibe gehören? Diese Scheibe und meine Kniescheibe soll dem Madatsch sein).

So nimmt das Ritual seinen Lauf, bis alle Scheiben von den Beteiligten aufgebraucht sind! Natürlich darf dem gemütlichen Beisammensein ein gutes Gläschen Südtiroler Rotwein nicht fehlen, und so geht man abschließend meist noch zusammen in ein Gasthaus und lässt den Abend Revue passieren. Das “Scheibenschlogen” soll den Winter vertreiben, und den Frühling anziehen, mancher Orts wird es ebenso als Fruchtbarkeitsbrauchtum bezeichnet.



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